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Dennis Grassow: "Auf einmal sitzt man dem Uli Hoeneß gegenüber"

Dennis Grassow: "Auf einmal sitzt man dem Uli Hoeneß gegenüber"

Wenige Fußballkenner trauten Dennis Grassow (40) eine Profikarriere zu. Doch der ehemalige Fußballer des FC Starnberg (1991 bis 1993) belehrte so manchen eines Besseren und arbeitete sich bis in die Elite-Liga zum FC Bayern München hoch. Der Familienvater, der heute beim TSV Neuried kickt, blickt auf seine Karriere zurück und schildert seine Zukunftsplanungen.

Immer hart am Mann: Dennis Grassow (r.) war als knallharter Verteidiger berüchtigt. Am Ende seiner Karriere spielte er als Kapitän des SSV Jahn Regensburg noch einmal gegen die SpVgg Unterhaching, bei der er den Sprung in den Profifußball geschafft hatte.

von Holger Schmidtke

Neuried – Die Vita des gebürtigen Berliners liest sich eindrucksvoll. Stationen wie SpVgg Unterhaching, FC Bayern München, 1. FC Köln, SV Darmstadt und SSV Jahn Regensburg sind nicht alltäglich. Grassow brachte es insgesamt auf 163 Erst- und Zweitligaspiele (6 Tore) sowie 144 Regionalliga- und Drittligaspiele (13 Tore).

Beim FC Bayern München machte Dennis Grassow als 15-Jähriger ein Probetraining . Doch er wurde nicht genommen und heuerte stattdessen beim Erzrivalen TSV 1860 München an – mit Erfolg. 1997 stattete ihn der FC Bayern München mit einem Drei-Jahres-Vertrag aus. „Hätte mich der FCB schon in der Jugend genommen, hätte er sich eine Menge Geld gespart.“

Eigentlich hätte es auch gut sein können, dass Grassow Footballer wird, denn ursprünglich wollten seine Eltern mit seinem Bruder Andi nach Kanada auswandern, kamen aber nur bis Niedersachsen. Dort schnürte der damals achtjährige Dennis erstmals die Schuhe für die TSG HannMünden, allerdings nur bis zur D-Jugend. Danach zog die ganze Familie Grassow nach Bayern ins beschauliche Wörth nahe Erding um.
Beim SV Wörth legte Grassow die Basis für seine Profikarriere, denn sofort nach der Schule trieb es ihn auf den Bolzplatz und in jedes Training. Nach nicht allzu langer Zeit wollte der gebürtige Berliner den nächsten Schritt wagen. Er setzte sich zusammen mit seinem zwei Jahre älteren Bruder in die S-Bahn und spielte beim großen FC Bayern München in der B-Jugend vor. „Tja, wir haben auf Kunstrasen gespielt, und nach dem Training sagten uns die Bayern: Vielen Dank fürs Kommen, das war’s. Aber wir haben nicht locker gelassen.“
Wenig später klopften die fußballverrückten Grassow-Geschwister in der Grünwalderstraße beim TSV 1860 München an – und sie durften wieder kommen. Bruder Andi spielte in der A-Jugend, der damals 15-jährige Dennis in der B-Jugend. „Ich habe mir von Beginn an einen Stammplatz erkämpft, aber das war damals eine harte Zeit“, erinnert sich Grassow. „Ich habe meine Ausbildung zum Sanitär- und Heizungsinstallateur in München gemacht, habe die erste S-Bahn in der Früh um 5 Uhr in Wörth genommen, bin dann in die Arbeit und danach ins Training. Ich war erst gegen 22 Uhr zu Hause. Das ging viermal in der Woche so, da musste man schon ein bisschen beißen.“ Er spielte sowohl zwei Jahre in der B- als auch in der A-Jugend bei den Blauen. Bei den A-Junioren sorgte er für Furore und wurde anschließend auch in den Bayernligakader übernommen.

Damals führte Karsten Wettberg Regie. Der Youngster kam immer wieder zum Einsatz, doch ein lauer Sommerabend beeinflusste seine Zukunft bei den Löwen nachhaltig. „Ich habe mir vor einem Testspiel in der Vorbereitung ein Getränk an einer Tankstelle in München genehmigt, allerdings war es da schon 1 Uhr nachts. Auf einmal stand Karsten Wettberg neben mir und fragte erstaunt, was ich um diese Uhrzeit an der Tankstelle mache“, lacht Grassow im Nachhinein. „Ich weiß nicht, ob ich deshalb nicht so regelmäßig zum Einsatz kam, aber förderlich war dieses Erlebnis mit Sicherheit nicht.“

Er fasste den Entschluss, innerhalb der Bayernliga zum Ligakonkurrenten SpVgg Starnberg (später nach Fusion FC Starnberg) zu wechseln. Eingefädelt hatte den Deal der damalige SpVgg-Manager Dieter Kurz, der viele Talente wie Jörg Müller-Gesser, Gerhard Schmid oder Andras Tölcseres an den Starnberger See brachte. Zusammen mit Michael Wiesinger, dem späteren Kapitän des 1. FC Nürnberg, sorgte er bei den Seelöwen für Furore. Unter Coach Charly Finsterer lernte er an der Seite von Altstars wie Jürgen Täuber, Frank Niederländer, Franz Wiesheu oder Toni Schmidkunz. „Vor allem von Toni Schmidkunz habe ich mir viel abschauen können. Ich habe mich damals dort sehr wohl gefühlt.“

Vom SV Wörth über den FC Starnberg bis zum FC Bayern München hat sich Dennis Grassow hochgekämpft. Er spielte auch bei der SpVgg Unterhaching, beim 1. FC Köln, beim SV Darmstadt und beim SSV Jahn Regensburg. In der Jugend war er beim TSV 1860 München. „In der A-Jugend mit 1000 Mark und einem Ford Fiesta war ich Chef in meiner Clique“, lacht der 40-Jährige heute.

Nach zwei Jahren wagte er den Sprung zur SpVgg Unterhaching und arbeitete sich an der Seite von Ralf Bucher und Jörg Bergen von der Bayernliga bis in die zweite Liga (Aufstieg 1995) hoch. „Viele haben mir das nicht zugetraut. Ich war kein Filigran-Techniker, habe aber immer hart an mir gearbeitet, absolute Leidenschaft gezeigt und bin über den Kampf zum Erfolg gekommen.“ Dementsprechend lautet auch sein Motto, das er seit frühester Jugend befolgt: „Zum Erfolg gibt es keinen Aufzug, sondern Du musst die Treppe nehmen.“
Im Jahr 1997 wurde dann die schönste Zeit seiner Profikarriere eingeläutet. Grassow, der immer ohne Spielerberater auskam und seine Verträge stets selbst aushandelte, bekam im April 1997 einen Anruf von Bayern-Manager Uli Hoeneß. „Das war schon eindrucksvoll, auf einmal sitzt man dem Uli gegenüber, davon hat man vorher jahrelang geträumt.“ Nachdem der damals 25-Jährige auch noch mit dem Dortmunder Trainer Ottmar Hitzfeld verhandelt hatte, entschied er sich für einen Drei-Jahres-Vertrag beim FCB. „Damals habe ich den Fehler gemacht, dass ich zu ruhig war und alles über mich ergehen ließ, aber hinterher weiß man es ja immer besser.“

Im Anschluss führte ihn sein Weg zum 1. FC Köln, zurück zur SpVgg Unterhaching, zum SV Darmstadt unter Neu-Coach Bruno Labbadia und zum SSV Jahn Regensburg. „Am meisten habe ich Lorenz Günther Köstner zu verdanken, der mich in Haching prägte und auch nach Köln holte.“

Am Ende seiner Karriere erlebte Grassow seinen dritten Frühling und führte die Regensburger trotz absoluter Geldnöte als Kapitän von der Bayernliga bis in die 3. Liga. „Wir haben teilweise drei Monate auf unser Gehalt warten müssen, aber die Mannschaft war klasse und hat hervorragend zusammengehalten.“ Im Sommer 2009 entschied sich Grassow dann, seine Profilaufbahn zu beenden, allerdings kam das Ende anders als erwartet. „Es war mit den Verantwortlichen bei Regensburg so abgesprochen, dass ich im Anschluss im Management mitwirke. Doch als der neue Manager Franz Gerber kam, wollte der nichts mehr von dieser Absprache wissen. Franz Gerber wird in diesem Leben nicht mehr mein bester Freund.“

Hart im Nehmen war der Abwehrspieler schon in jungen Jahren beim damaligen FC Starnberg. FOTO: POOL

Der steinharte Verteidiger plante um. Er konzentrierte sich auf seine Trainerausbildung, übernahm beim TSV Gilching-Argelsried unter Absprache mit Jugendleiter Volker Staude die B-Jugend in der Bezirksoberliga und machte seine Trainer-B-Lizenz. Im Anschluss ereilte ihn der Anruf seines früheren Trainers Günter Güttler, und er folgte diesem als Co-Trainer zur SpVgg Weiden. „Diese Zeit war bitter, wir haben klasse gearbeitet, und genau dann, als wir den Tabellenkeller der Regionalliga verlassen haben, musste zugesperrt werden. Am Vormittag des 1. Dezember 2010 stand ich noch im Training, am Nachmittag war ich arbeitslos.“
Im August dieses Jahres beendete Grassow seine A-Lizenz erfolgreich. Fit hält er sich im Altherrenteam des TSV Neuried. „In naher Zukunft werde ich einen Trainerposten bekleiden“, so Grassow. „Ich war 20 Jahre Profi, Fußball ist mein Leben, und ich möchte dem Fußball erhalten bleiben.“
Frau Sonja ist vorerst froh, dass der Ehemann nur in der AH kickt und die Familie nicht umziehen muss. Auch seine beiden Kinder, Sohn Luis (10) und Tochter Marie (13), jagen dem Ball in der Neurieder Jugend hinterher. „Ich möchte baldmöglichst Chef-Trainer in der Jugend-Bundesliga oder im Herrenbereich ab der Landesliga werden“, sagt der Vater der beiden. Auch das werden ihm nicht alle zutrauen, aber Grassow wird wohl auch diese Stufe auf der Karrieretreppe nehmen.

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