Sie sind unparteiisch, stehen aber oft im Kreuzfeuer der Kritik, wenn ein Spiel nicht so läuft, wie es laufen soll: Die Schiedsrichter sehen sich auch im Amateurbereich verbalen Attacken ausgesetzt, der Druck nimmt zu. Selbst der Freisinger Schiedsrichter-Obmann Benjamin Heigl stellt sich manchmal die Frage, „warum man sich das überhaupt antut“.

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Es macht nicht immer Spaß: Schiedsrichter, hier im Bild Johannes Zink, sehen sich immer öfter verbalen Attacken ausgesetzt.
Von Matthias Spanrad
Freising – Die Nachricht vom Selbstmordversuch des Bundesliga-Referees Babak Rafati Mitte November hat die deutsche Fußballszene erschüttert. Es kamen wieder Diskussionen über den psychischen Druck für die Unparteiischen auf. Viel wurde über die Ausmaße des Stresses spekuliert, dem die Schiedsrichter ausgesetzt sind. Auch die Regelhüter aus dem Landkreis stellen sich seit geraumer Zeit immer öfter die Frage nach dem Warum. Warum es auch im Amateurbereich immer schwieriger wird, Fußballspiele zu leiten. Denn auch in und um Freising herrscht nicht nur eitel Sonnenschein.
Als traurig sieht es Benjamin Heigl an, dass die Störenfriede rund um die Fußballplätze mittlerweile aus allen sozialen Bereichen kommen. Der gutsituierte Rechtsanwalt schimpfe genauso viel wie der einfache Angestellte. „Bei den F- und E-Junioren sind vor allem die jungen Frauen ganz schlimm“, beschreibt der 34- Jährige das „Phänomen“ der „coachenden“ Spielermütter. Zudem würde es häufig nicht beim Schimpfen bleiben – das sei oft nichts für empfindliche Ohren: „Was unsere Schiedsrichter da Woche für Woche zu hören bekommen, das ist schon heftig“, klagt Obmann Heigl. Die Folge: Immer mehr Unparteiische quittierten den Dienst an der Pfeife bald wieder. Zwar seien, so Heigl, die Neulingskurse immer noch gut besucht. Jedoch würden – auch im Vergleich zu den vergangenen Spielzeiten – immer mehr junge Schiedsrichter relativ rasch das Handtuch werfen. „Die lassen es sich einfach nicht gefallen, dass man sie nur noch anpöbelt“, zeigt Heigl Verständnis für seinen Nachwuchs. „Das ist doch alles Amateurfußball, da geht es doch um nichts.“
Ob sich in den nächsten Jahren eine Veränderung einstellen wird, da ist sich Benjamin Heigl nicht sicher. „Das ist auch eine gesellschaftliche Sache.“ Überall gehe es aggressiver zu. Es werde immer mehr geschimpft, nur noch auf sich geschaut. Wünschen würde er sich deswegen mehr ältere Schiedsrichter, die mit der Sache souveräner umgehen könnten. Trotzdem: „Das kann einfach nicht sein“, ereifert sich Heigl. „Wir machen das ja alle nur in unserer Freizeit.“
Der Fall Babak Rafati ist ein warnendes Beispiel. Auch in der Schiedsrichter-Gruppe des Landkreises gab es vor etwa zwei Jahren bei einem Unparteiischen einen Selbstmordversuch. Es habe nichts mit Fußball zu tun gehabt, die Referees bewegte dieser Fall dennoch, so Heigl. Der Kollege überlebte, man kümmerte sich um ihn. Doch es blieb ein seltsames Gefühl zurück. „Ich würde das jetzt nicht Angst nennen“, meint der Obmann. „Aber manchmal fragt man sich schon, warum man sich das überhaupt antut.“
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