von Christoph Kammerlander
Der 1,70 Meter große Mino Kayser hat nicht nur einen klangvollen Namen - er hat auch schon einiges erlebt.
Über traumhafte Ereignisse, aber auch über die Schattenseiten des Fußballs, hat er nun mit Fussball-VORORT gesprochen.
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Mino, wie lange warst du Kapitän beim FCB? Wer waren Deine bekanntesten Weggefährten?
Kayser: Ich war von der U14 bis zur U19 immer Führungsspieler und wurde dann in der A-Jugend Kapitän der Mannschaft. Ich habe zum Beispiel mit David Alaba, Diego Contento, Nicola Sansone, der jetzt beim FC Parma für Furore sorgt und kürzlich gegen Inter und Juve getroffen hat, zusammengespielt. Außerdem habe ich mir mit Peniel Mlapa (Borussia Mönchengladbach) in der Bayernauswahl ein Zimmer geteilt.
Du hast in Deiner noch jungen Karriere bereits einiges erlebt. Wenn Du an Deine schönsten Momente denkst, was schießt Dir dann als erstes durch den Kopf?
Du weißt wohl selbst am besten, dass vor allem der Profifußball auch seine Schattenseiten birgt. Welche Ereignisse würdest Du gerne aus deinen Erinnerungen streichen?
Kayser: Der eindeutig bitterste Moment bei Bayern war, als mir nach der U16 mitgeteilt wurde, dass der Trainer der U17 mich nicht für die kommende Saison eingeplant hat und ich mir einen neuen Verein suchen soll. Die Entscheidung kam für mich unglaublich überraschend, weil ich in der U16 die meisten Spielminuten von allen hatte und in jedem Spiel auf dem Feld stand. Ich habe mich dann kurzfristig für ein Jahr für Unterhaching entschieden, was wirklich hart war. Ich hatte kein Spaß mehr am Training und habe ernsthaft darüber nachgedacht, mit dem Fußball aufzuhören. In den Spielen lief es für mich trotzdem sehr gut und daraufhin wurde ich wieder von Bayern kontaktiert. Ich hab nicht eine Sekunde gezögert, als Bayern mir angeboten hat, wieder zurückzukommen.
Einige Deiner Altersgenossen wie David Alaba, Diego Contento oder Peniel Mlapa haben den Sprung zu den Profis gepackt, Du bist nach Deinem Abitur nach Amerika gegangen, um ein Stipendium zu absolvieren. Würde man Dich ohne diesen Auslandsaufenthalt heute womöglich in der Bundesliga sehen?
Kayser: Nach meinem Abitur habe ich mich pro Studium und gegen den Profifußball entschieden. Ich habe ein Stipendium an der Northern Illinois University wahrgenommen, was wirklich großartig war. Ich habe dort mit dem Uni-Team in der höchsten College-Liga gespielt. Wir sind richtig rumgekommen in ganz Amerika und ich habe viele unvergessliche Eindrücke gesammelt.
Ob man mich ohne den Auslandsaufenthalt im Profifußball sehen würde - gute Frage! Obwohl ich nach der A-Jugend einige Anfragen aus der 3. Liga hatte, hätte ich mich wahrscheinlich auch in Deutschland für ein Studium entschieden, weil mir das für die Zukunft einfach als sicherer erscheint. Die meisten Profivereine sehen es nunmal nicht gerne, wenn ihre Spieler studieren, weil sie von ihnen verlangen, sich zu 100 Prozent auf den Sport zu konzentrieren.
Hast Du Dir schonmal vorgestellt, wo Mino Kayser heute spielen könnte, wenn vielleicht manches anders gelaufen wäre?
Kayser: Wo würde ich spielen, wenn alles optimal gelaufen wäre und ich mich für den Profifußball entschieden hätte?! Ganz klar: Der größte Traum war FC Barcelona. Aber um realistisch zu bleiben: Wahrscheinlich wäre ich jetzt irgendwo zwischen der 2. und de 3. Liga in einem hoffentlich jungen, ambitionierten Team, das einfach nur Bock hat, guten Fußball zu spielen und das ein oder andere Ausrufezeichen zu setzen.
Über eine kurze Zwischenstation beim MTV Berg bist Du nun in Bayreuth gelandet. War für diesen Schritt ausschließlich das Studium verantwortlich oder wolltest Du Dein Talent einfach in einer höheren Spielklasse unter Beweis stellen?
Kayser: Für den die Entscheidung, nach Bayreuth zu gehen, war ausschließlich das Studium ausschlaggebend. Erst als ich in Bayreuth angefangen habe zu studieren, habe ich mich um einen Verein gekümmert. Auch wenn das erste Jahr im Verein katastrophal war (fünf Trainer in einem Jahr; d. Red.), sind wir jetzt auf einem guten Weg mit einer wirklich guten Mannschaft und streben den Aufstieg für 2014 an.
Bei der Spielvereinigung spielst Du nun unter anderem mit dem ehemaligen Löwen-Stürmer Francis Kioyo zusammen, mittlerweile trägst Du sogar seine Hosen. Wie ist das, einen ehemaligen Vollprofi als Kumpel zu haben?
Kayser: Obwohl die kurze Hose vom Francis bei mir als lange Hose durchgeht, verstehen wir uns menschlich hervorragend. Er gibt uns jungen Spielern viele Tipps, wie wir unser Spiel verbessern und was wir in bestimmten Situationen anders machen können. Man merkt natürlich, dass er jahrelang Profi war und sich mit den besten gemessen hat. In der ein oder anderen Situation lässt er sich dadurch halt ein bisschen weniger sagen als andere. Alles in allem ist er ein super Typ. Aber der Francis ist nicht der einzige Ex-Profi in unserer Mannschaft. Auch der Manu (Manuel Hiemer; d. Red.) hat einige Dritt- und Zweitliga-Spiele gemacht.
Wenn Du einen kleinen Zukunftsausblick wagst, wo siehst Du Dich ein ein bis zwei Jahren. Möchtest Du nochmal ganz oben angreifen?
Kayser: Ich hoffe, dass ich in ein bis zwei Jahren mit meinem Bachelor fertig bin. Mit der Spielvereinigung will ich auf jeden Fall in die Regionalliga aufsteigen - und dann werden wir weitersehen. Aber mit den Fans, die wir in Bayreuth haben, ist alles möglich. Die Jungs und Mädels am Seitenrand sind phänomenal!




Mino Kayser
