"Wir sollten auf ein Niveau mit Garching oder Pullach kommen"

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    • 18.02.13
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Ex-Profi Roman Tyce im Interview

"Wir sollten auf ein Niveau mit Garching oder Pullach kommen"

FC Deisenhofen – Er ist der wohl prominenteste Fußballer in der Landesliga Südost: Roman Tyce hat 25 Länderspiele für Tschechien bestritten, nahm 2004 an der Europameisterschaft teil, war Profi, unter anderem beim TSV 1860 München und von 2007 bis 2011 bei der SpVgg Unterhaching.

Zuhause in Deisenhofen: Roman Tyce beim Schneeschaufeln. Foto: bro

Zuhause in Deisenhofen: Roman Tyce beim Schneeschaufeln. Foto: bro

Trotz der chronischen Beschwerden wegen insgesamt drei Kreuzbandrissen in seiner Karriere (zwei im rechten, einer im linken Knie) legt sich der 35-Jährige, der in Oberhaching wohnt, seit einem Jahr für den FC Deisenhofen mächtig ins Zeug. Er liebt das runde Leder eben und will auch nach seiner aktiven Zeit nicht davon lassen, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung verriet.

-Sie haben mit Paul Agostino, ihrem ehemaligen Mitstreiter beim TSV 1860 München, das Munich Soccer Camp gegründet. Können Sie uns Ihre Fußballschule kurz vorstellen?

Wir haben in diesem Winter angefangen. An Ostern ist das erste Feriencamp, aber wir machen auch Fördertraining und Powertraining, zum Beispiel für Stürmer, die im Training nicht so oft zum Abschluss kommen. Und wir setzen eher auf Qualität als auf Masse, werden ehemalige Profis als Trainer einsetzen. Da bestehen Kontakte, zum Beispiel zu ein paar alten Sechzgern.

-Was ist Ihre persönliche Motivation dabei?

Man sieht bei Jugendlichen einfach die großen Fortschritte, nach einem halben Jahr gibt es da schon eine große Verbesserung. Und bei Kleinen, die anfangs ungeübt sind, kann man schon nach einer Woche den Unterschied sehen. Das ist das Schöne und es ist sicher anders als bei Erwachsenen, bei denen das Ergebnis im Vordergrund steht.

-In der vergangenen Saison waren Sie U17-Trainer der SpVgg Unterhaching. Haben Sie weiterhin Trainerambitionen?

Natürlich. Deshalb habe ich auch mit dem Profifußball aufgehört. Ich war 34, hatte ein Angebot von Haching, aber ich habe lieber meinen A-Schein gemacht, mit dem ich bis zur Regionalliga trainieren kann. Und jetzt habe ich mich zum Fußball-Lehrer angemeldet. Allerdings ist es schwer, in Deutschland einen Platz in der Ausbildung zu bekommen. Mit Tschechien habe ich aber noch eine andere Option.

-Sie wollen also irgendwann in den Profibereich einsteigen?

Es war immer mein Ziel, im Profibereich zu arbeiten. Für mich ist es wichtig, das einfach ein paar Jahre auszuprobieren, um zu sehen, ob es mir liegt. Den Jugendbereich wollte ich zunächst nicht recht machen, ich bin aber froh, dass ich das mit der U17 bei Unterhaching durchgezogen habe. Gleichzeitig war ich ja auch Co-Trainer bei der ersten Mannschaft. So habe ich das eine Jahr Praktikum absolviert, das man bei der Anmeldung zum Fußball-Lehrer vorweisen muss.

-Sie sind noch beim FC Deisenhofen aktiv, der kürzlich mit der Vorbereitung aufs Frühjahr begonnen hat. Wie geht es denn den Knien?

Die sind kaputt, und das wird auch nicht besser. Das rechte wird nach jedem Spiel dick. Aber wenn ich mich schone, hilft es auch nichts. Ich könnte vielleicht auch eine andere Sportart machen, aber ich spiele eben gern Fußball im Wettbewerb. Und besonders in Deisenhofen. Hier fühle ich mich wohl und wir haben eine gute Mannschaft. Würden wir jedes Wochenende 4:1 oder 5:0 verlieren, wäre es vielleicht etwas anderes.

-Sind Sie denn mit der bisherigen Landesligasaison zufrieden?

Als Aufsteiger ist Platz sechs nicht schlecht, aber wir haben einige unnötige Punkte abgegeben, fünf mehr könnten wir haben. Unser Ziel war es, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben, aber ich finde, es steckt mehr Potenzial drin.

-Und wie lautet Ihr Ziel für den Rest der Saison?

Wir sollten auf ein Niveau mit Garching oder Pullach kommen. Vielleicht würden wir uns in der Bayernliga sogar leichter tun. In der Landesliga müssen wir immer das Spiel machen, auch auswärts.

-Weil die Konkurrenz mauert?

In Deutschland sind die Mannschaften bis hinunter in die sechste, siebte Liga taktisch sehr gut geschult, spielen mit zwei Viererketten und verschieben gut. Das hat sich in den vergangenen fünf, sechs Jahren wahnsinnig entwickelt. Als ich vor 14 Jahren hierher kam, habe ich mich noch totgelacht, weil so viele Profi-Teams mit Libero und Manndecker gespielt haben. Allerdings geht das gute taktische Verhalten auf Kosten der Kreativität.

-Inwiefern?

Ich war kürzlich bei einem U12-Hallenturnier in Halle, da gingen die Spiele alle 0:0 oder 1:0 aus, mit vier gegen vier. Entweder die machen alle keine Fehler oder es fehlt die fußballerische Kreativität. Ich finde grundsätzlich: Bei der riesigen Auswahl in Deutschland, wo Fußball klar Sport Nummer eins ist, kommt immer noch relativ wenig raus.

-Dürfen Deisenhofens Fans eigentlich auf eine weitere Saison mit Roman Tyce hoffen?

Das entscheide ich im Sommer. Es ist nicht auszuschließen, aber wenn ich einen Trainerjob bekomme, geht das natürlich vor.

Das Gespräch führte Umberto Savignano

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