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Ex-Löwe Tanner: "Ich kann den Jürgen sehr gut verstehen"

Ex-Löwe Tanner: "Ich kann den Jürgen sehr gut verstehen"

München - Zweieinhalb Jahre ist es her, dass Ernst Tanner die Löwen verlassen hat. Er kann die Entscheidung seines Nachfolgers Jürgen Jung nachvollziehen. Den Löwen prophezeit er eine schwere Zukunft.

© Sampics

Tanner: „Ich nehme mal an, dass es bei ihm die gleichen Gründe waren wie bei mir, die ihn zum Wechsel getrieben haben.“

Als am Mittwoch offiziell feststand, dass Jürgen Jung die Fronten wechselt und künftig nicht mehr für den TSV 1860, sondern für den FC Bayern Talente schmieden wird, da ging auf dem Handy des 36-Jährigen auch eine SMS aus Hoffenheim ein. Absender war Ernst Tanner, Jungs direkter Vorgänger im Amt, der Mann, der ihn 2002 aus dem Hörsaal ins Jugendleistungszentrum der Löwen geholt hatte. „Ich habe ihm zum neuen Job gratuliert“, verrät Jungs Mentor den Inhalt seiner Kurznachricht. „Nicht gratuliert habe ich ihm zu seinem neuen Verein.“ Blaues Herz schließt rotes Engagement aus – dieses Denken hat sich Tanner auch als Sportchef der TSG 1899 Hoffenheim bewahrt.

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Zweieinhalb Jahre ist es jetzt her, dass Tanner Liga , Klub und Aufgabe gewechselt hat (bei 1899 ist er für die Profis zuständig), doch er ist immer noch so nah dran am Geschehen, dass er nicht nur die Münchner Farbenlehre intus hat, sondern auch weiß, was bei seinem Ex-Verein im Argen liegt. „Ich kann den Jürgen sehr gut verstehen“, sagt der 55-Jährige. „Ich nehme mal an, dass es bei ihm die gleichen Gründe waren wie bei mir, die ihn zum Wechsel getrieben haben.“ Als da wären: Ungeordnete Verhältnisse, drohende Etatkürzungen, Kompetenzgerangel, schlechtere Karten beim Ansprechen von Eltern und ihren begabten Sprösslingen – die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Es gibt Menschen, die den Löwen eine schwierige sportliche Zukunft vorhersagen, weil wieder zwei wichtige Spieler den Verein verlassen werden (Stefan Aigner und Kevin Volland, Letzteren hat sich Tanner geangelt). Es gibt aber auch Leute, die sagen, dass der gravierendste Verlust am Mittwoch besiegelt wurde. „Dass Jürgen Jung geht, ist ein großer Rückschlag für die gesamte Nachwuchsarbeit“, sagt Vizepräsident Wolfgang Hauner, der die preisgekrönte Jugendarbeit einst mitbegründet hat. „Aus den Möglichkeiten, die wir zuletzt hatten, hat Jürgen das Optimale herausgeholt. Nicht nur, dass er unheimlich fleißig und akribisch ist und mit Hingabe arbeitet – ich würde ihm bei der Sichtung von Talenten auch einen ähnlichen Blick wie Ernst Tanner bescheinigen.“

Dieser letzte Satz kommt einem Ritterschlag gleich. Der ins Kraichgau geflüchtete Rosenheimer hat in der Jugendarbeit bei 1860 Maßstäbe gesetzt und Maßnahmen initiiert, von denen der Verein noch heute profitiert. Lars und Sven Bender, Gebhart, Leitner, Mlapa – die Liste der Ex-Löwen, die in der Bundesliga für Furore sorgen, ist lang und lässt das Herz eines jeden Fan bluten. Knapp 20 Millionen Euro hat der Verein mit seinem schwunghaften Talentehandel erzielt, nicht bloß einmal retteten Verkäufe in letzter Minute die Lizenz. Die meisten dieser Hochbegabten hatte noch Tanner zu 1860 gelotst, Jung führte dessen Arbeit nahtlos fort.

Überläufer! Diese Spieler kickten beim FC Bayern und bei 1860...

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Doch jetzt? Schellenberg und Imhof stehen in der engeren Auswahl Ehe sich jemand findet, der dieses schwere Erbe antritt, müsste so vieles geklärt werden. Geplante Etatkürzungen? Zuständigkeiten? Alles noch in der Schwebe. Verein und Investor sind sich ja noch nicht mal einig, wie es bei den Profis weitergeht. Kandidaten sind: Co-Trainer Wolfgang Schellenberg, U 23-Manager Matthias Imhof, A-Jugendtrainer Ivica Erceg und Juniorenleiter Roy Matthes (U 10 bis U 17). Das Fachliche spricht für Schellenberg, der 2007 mit der B-Jugend Deutscher Meister war, Aufstiegsheld Imhof hat Chancen, weil er mit Geschäftsführer Robert Schäfer gut kann. Eine Ideallösung ist nach allem, was man hört, nicht dabei.

Für Ernst Tanner, den Ex-Löwen, ist der Fall auch aus der Ferne klar. „Für den Verein stellt sich nicht primär die Frage, wer die Lücke ausfüllt, sondern wie es überhaupt weitergeht.“ Bis die nächsten Benders von Giesing aus die Fußballwelt erobern, wird wohl eine Zeit vergehen. Ein Insider sagt: „Die Talente, die wir wollten, haben wir zuletzt oft nicht mehr bekommen. Es schreckt die Eltern halt ab, wenn man im Mai noch nicht sagen kann, wie es im Juni mit dem Verein weitergeht.“ Diese Sorge hat Jung beim FC Bayern nicht mehr. Identifikationsprobleme wird er auch nicht haben. Der Aichacher, verrät Tanner ein gut gehütetes Geheimnis (das er nicht gerne ausspricht) – kickte bis zur A-Jugend an der Säbenerstraße.

von Uli Kellner

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