Mit Trotz und Toren gegen den Tumor

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    • 08.01.13
    • TuS Geretsr. II
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David Mireiders härtestes Match 

Mit Trotz und Toren gegen den Tumor

TuS Geretsried - Es ist ein bemerkenswerter Kampf, den David Mireider führt. Seit dem Januar 2009 kämpft der junge Kicker gegen den Krebs. Gegenüber dem Isar-Loisachboten sprach Mireider nun bemerkenswert offen über seinen andauernden Kampf.

© SABINE HERMSDORF

Ein Kämpfer, auf und neben dem Platz: Vor vier Jahren erkrankte David Mireider an Darmkrebs. Doch der 24-jährige Kicker des TuS Geretsried II lässt sich nicht unterkriegen. Der Fußball hilft ihm dabei.

Wie ein junger Geretsrieder Fußballer den Kampf gegen den Krebs annimmt

von Rudi Stallein

Geretsried – Er ist ein unbequemer Gegner. Wenn David Mireider im Strafraum lauert, wird es gefährlich. „Er ist ein außergewöhnlicher Spieler. Technisch gut, weiß, wo er zu stehen hat – und macht aus einer halben Chance ein Tor“, unterstreicht sein ehemaliger Trainer Thomas Dötsch die Qualitäten des 24-jährigen Offensivspielers aus der zweiten Mannschaft des TuS Geretsried. „Er wäre wahrscheinlich längst in der ersten Mannschaft – ohne die vielen Rückschläge.“

Seit vier Jahren kämpft Mireider abseits des Fußballplatzes selbst gegen einen unbequemen und überaus hartnäckigen Gegner. Anfang Januar 2009 erhielt der damals 20-Jährige die erschreckende Diagnose: Darmkrebs. Doch wenn er heute von seiner Krankheit erzählt, will sich so recht kein Schrecken einstellen. Seinen ausführlichen Schilderungen fehlt jede Dramatik. Stattdessen erweckt der Technische Zeichner den Eindruck, als nehme er mit jugendlicher Unbekümmertheit den Kampf gegen die Krankheit an. „Ich kann es ja nicht ändern. Es ist jetzt einfach so.“

Der Tag, an dem alles begann

An den Tag, an dem alles begann, erinnert Mireider sich noch genau. Er habe an die Untersuchung schon fast nicht mehr gedacht, als er von der Abendschule heimkam und Vater und Schwester mit Tränen in den Augen in der Küche standen. „Ich dachte, es sei womöglich irgendwem aus der Familie oder Freunden etwas Schlimmes passiert. Und ich war fast erleichtert, dass ,nur‘ ich betroffen war.“ Da er sich nach der Untersuchung einige Wochen zuvor schon mit dem Gedanken an Darmkrebs beschäftigt und viel im Internet recherchiert hatte, war er „mental vorbereitet“. Die folgenden Operation verlief erfolgreich. Der Schock kam, als er nach zwei Wochen im Krankenhaus „mit gutem Gefühl“ seiner Entlassung entgegensah. Telefonisch habe ihm der Arzt noch am Krankenbett mitgeteilt, dass bei der abschließenden Kontrolle Flecken auf Leber und Lunge entdeckt worden seien. Metastasen. Da war’s mit der Gelassenheit vorbei. „Scheiße, das ist echt doof“, hat er gedacht und Herzrasen bekommen, denn „Leber und Lunge sind ja nicht so unwichtig“.

Therapien, Operationen - und nebenbei kickte er

So ist Mireider im Jahr 2009 beinahe Stammgast im Klinikum Großhadern und im Krankhaus der Barmherzigen Brüder in München. Im Juli wird „nebenbei noch schnell“ ein Darmverschluss beseitigt, ehe im September die Leber und Ende Oktober die Lunge operiert werden. Zwischen Infusionen, Operationen und Chemotherapien versucht der leidenschaftliche Kicker so weit es geht ein „normales“ Leben zu führen. Er geht mit Freunden aus und zur Gaudi bolzen. Im Mai und Juni kann er sogar mit der Mannschaft trainieren. Sein damaliger Trainer Martin Gessner gewährt ihm „sämtliche Freiheiten. So etwas freut einen und hilft natürlich sehr.“

Die Unterstützung von Familie, von Freunden und vom Arbeitgeber, der ihm nach der erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung einen unbefristeten Arbeitsvertrag ins Krankenhaus brachte, habe sicher großen Anteil daran, dass er die Krankheit locker nehme. „Womöglich hat es auch damit zu tun, dass ich von Haus aus eher ein cooler Typ bin“, scherzt Mireider. „Mir ging schon vor der Krankheit vieles am Arsch vorbei. Nach dem Motto: Wenn jetzt ein Komet runterfliegt, ist mir das egal – ich will in Ruhe zu Ende essen. Das ist vielleicht eine positive Charaktereigenschaft, die mir auch geholfen hat.“ Jedenfalls seien ihm die fortwährenden Rückschläge irgendwann „wurscht“ gewesen, versichert er. Manchmal, wenn er mal wieder im Krankenhaus lag, habe er sich gesagt: „Du kriegst mich nicht so schnell.“ Und nach jeder OP habe er gedacht: „Cool, wieder geschafft. Das hat natürlich auch noch mal Kraft und Motivation gegeben.“

Nur einmal hat es David Mireider „mächtig runtergerissen“: Im Mai 2010, als es unter Trainer Dötsch nach dem Aufstieg in die Kreisliga auch für ihn mit dem Fußball gerade wieder richtig gut lief und die gegnerischen Abwehrspieler an dem quirligen, rotzfrechen Angreifer verzweifelten, traf den der nächste Schock: Bei einer weiteren Darm-Operation wurde ihm ein künstlicher Darm-Ausgang gelegt. „Das war für mich das Unangenehmste in der ganzen Zeit, eine richtig schlimme Phase“, gesteht Mireider. „Damit hätte ich nicht leben können. Das hat mich schon getroffen.“ Die starke Chemotherapie im Anschluss tat ein Übriges. Auf ärztlichen Rat hielt er die Therapie bis Ende des Jahres durch. „Alles okay“ lautete die Diagnose nach der Rückverlagerung Anfang Februar 2011. Den Rest des Jahres habe er endlich mal wieder als „normales Jahr“ genossen. Mit Urlaub in Griechenland, Wiedereingliederung am Arbeitsplatz, viel Spaß mit Freunden und Fußball.

„Ich rechne immer damit, dass irgendwann wieder was sein kann.“

„Aber ich nenne mich selber nicht gesund. Das mache ich erst nach einem Jahr ohne Rückschläge“, hat der 24-Jährige beschlossen. „Ich rechne immer damit, dass irgendwann wieder was sein kann.“ Wie Anfang vergangenen Jahres, als er erneut unters Messer musste. Doch inzwischen scheint er den Kampf gegen den Krebs sportlich zu nehmen. „Wenn die Ärzte wieder etwas entdecken, sage ich mir: ,Blöd, aber okay. Dann soll es so sein. Machen wir es weg, damit ich schnell mit dem Tag wieder was anfangen kann.‘“

So richtig über seine Krankheit aufregen mag Mireider sich nicht mehr. Dafür gebe es genügend andere Situationen, sagt er und lächelt verschmitzt unter seinen schwarzen Locken hervor. In einem wichtigen Spiel freistehend vor dem Tor eine Hundertprozentige zu versemmeln etwa – das würde mächtig nerven. „Da würde ich schon denken: Das kann doch nicht wahr sein.“

Es ist dem jungen Mann zu wünschen, dass er in diesem Frühjahr oft Gelegenheit bekommt, auf diese – ungefährliche – Weise zu verzweifeln. Vergangenen Herbst hat er sich wieder an die Startelf des Kreisligisten herangekämpft. Im letzten Match vor der Winterpause wechselte Trainer Dirk Habian ihn in der zweiten Halbzeit ein. „Das war ein schönes Gefühl“, sagt der Geretsrieder.

Ob sein nächster Gegenspieler auf dem Fußballplatz oder wieder in ihm selbst auf David Mireider lauert, wird sich zeigen: Bald steht die nächste Kontrolluntersuchung an.

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14.06.2013 TuS Geretsried II - Türk Landsberg

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