Von Stefan Schnürer
Seinen Spitznamen hat er einem eher schlecht sitzenden Trikot – dem eher schmächtigen Buben war das Leiberl schlichtweg zu groß – zu verdanken. Das verleitete einen seiner Teamkameraden zu der Feststellung: „Du schaust ja aus wie der Charlie Brown.“
Richter feierte viele Erfolge
Von der weltberühmten Comicfigur aus der amerikanischen Kultserie „Peanuts“ unterscheidet den Penzberger „Charly“, der mittlerweile 53 Jahre alt ist, aber mehr als die unterschiedliche Schreibweise des Vornamens. Charlie Brown ist der Pechvogel und ewige Verlierer, was man von Charly Richter wahrlich nicht behaupten kann. Sowohl als aktiver Fußballer wie als (Spieler-)Trainer feierte der Penzberger viele Erfolge.
Dabei war zunächst ganz nicht klar, dass er mal ein Fußballer werden würde. Gekickt hat er, seit er denken kann, doch seine sportliche Laufbahn startete er als Neunjähriger bei den Ringern des AC Penzberg . Dokumentiert ist ein zweiter Platz bei den Münchener Kreismeisterschaften. „Vielleicht wäre auch ein ganz guter Ringer aus mir geworden“, sagt Richter. Doch sein Vater stellte ihn vor die Wahl: Entweder Ringen oder Fußball – Klein-Herbert entschied sich für den Fußball.
Krönung war der Aufstieg in die Bezirksoberliga
Für viele Penzberger gilt der 53-Jährige als FC-Urgestein, dort feierte der feine Techniker auch seine größten Erfolge als Spieler. Den Anfang nahm seine Karriere jedoch im Jahre 1969 beim Stadtrivalen DJK Penzberg. Dort spielte er sechs Jahre, ehe er zum großen FC wechselte, für den er dann mehr als 600 Spiele bestritt. Der Start beim Klub von der Bichler Straße war eher holprig: Der damals eher schmächtige Richter legte einen ziemlichen Wachstumsschub hin, „damit hatte ich schon zu kämpfen“. Auch das erste Jahr im Herrenbereich war „eher durchwachsen“, dann aber nahm seine Karriere Fahrt auf. Fast 15 Jahre zählte der Mittelfeldspieler zu den Stützen des FC, die Krönung war der Aufstieg in die Bezirksoberliga.
Angebote von höherklassigen Clubs gab es genug
Der Erfolg des FC hat für den 53-Jährigen nicht nur sportliche Gründe. „Das war eine gewachsene Mannschaft, eine große Familie.“ Ein ideales Biotop für einen wie Richter, für den Vereinsleben mehr ist als Training und Spiel. Da gehört auch eine gepflegte Halbe Bier in geselliger Runde dazu. Doch das Ende beim FC war eher unschön. 1992 stieg der Verein aus der Bezirksoberliga ab, danach kam’s zum Zerwürfnis zwischen Richter und dem damaligen Trainer Roland Brummer. Die Folge: Nach fast 20 Jahren beim FC Penzberg wechselte Richter zum damaligen Landesligisten FC Miesbach . Möglichkeiten, sich einem anderen höherklassigen Klub anzuschließen, hatte der 53-Jährige während seiner Zeit beim FC Penzberg mehrfach. „Aber mit dem Beruf hat’s kollidiert.“ Am Ende bleibt ein Hauch von Bedauern: „Schade, dass ich es nicht früher wo anders probiert habe.“ Angebote gab’s seinem Bekunden nach jedenfalls genug. Auch das Abenteuer „Miesbach“ war nach einem Jahr beendet, nachdem sich Richter in der Landesliga-Relegation den Fuß gebrochen hatte.
"Eine Meisterschaft wäre schon was Schönes"
Mittlerweile ist Richter nach Trainerstationen beim SV Eschenlohe – dort schaffte er 1993/94 gleich in seiner ersten Saison den Aufstieg in die Bezirksliga –, ASV Antdorf, FC Penzberg, FC Garmisch-Partenkirchen und FCK Schlehdorf mittlerweile beim dritten Penzberger Verein , dem ESV, gelandet. „Das ist auch ein Superhaufen, da sind sehr gute Voraussetzungen.“ Und egal, ob er viel oder mal weniger Erfolg hatte, äußerlich ist Richter die Ruhe in Person. „Aber innerlich bin ich schon immer brutal dabei.“ Erfolg ist für ihn weitaus mehr als viele Punkte und ein guter Tabellenplatz: „Ich will Spieler weiterbringen, ihnen was beibringen.“ Dennoch: „Eine Meisterschaft wäre mal wieder was Schönes.“
"Hausmann war ich eigentlich schon immer"
Seit dem vergangenen November kann sich Richter mehr denn je auf seinen Trainerjob konzentrieren. Nach über 30 Jahren bei der Bundeswehr genießt er mittlerweile seinen Ruhestand. Langweilig ist ihm überhaupt nicht. Die freie Zeit verbringt er unter anderem mit Radlfahren, Bergwanderungen und Laufen, „und zum Skifahren kann ich jetzt gehen, wann ich will“, sagt er, schelmisch lächelnd. Außerdem hat der verheiratete Vater zweier erwachsener Söhne (22/19) keine Probleme, den Haushalt zu führen. „Hausmann war ich eigentlich schon immer.“ Weltbewegende Dinge hat er nicht vor: „Einen Marathon bin ich gelaufen, und die Transalp bin ich auch schon gefahren.“ Viel wichtiger ist ihm, gesund zu bleiben und sich keinen Stress zu machen. In puncto „Stress“ besteht bei ihm keine Gefahr, denn entspannt war er irgendwie schon immer.








